Recycling

In Zeiten von Rohstoffknappheit und Klimawandel wird es immer wichtiger, effektiv und effizient mit vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Im Bereich Kunststoffrecycling gab es in den letzten Jahren eine rasante technische "Aufrüstung", da immer mehr gefordert wird, eine Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen. Der Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung hat sich dabei auf das Upcycling von (technischen) Thermoplasten und auf die Nachhaltigkeitsanalyse (LCC/LCA) spezialisiert.

Projekte

Tex2Mat: neue Aufbereitungsprozesse für Textilabfälle

Die gesetzlichen Vorgaben der EU zur Kreislaufwirtschaft stellen die österreichische Textilbranche vor große Herausforderungen, vor allem da Textilien oftmals aus zwei oder mehr Materialien bestehen, was das stoffliche Recycling sehr erschwert.

Im Zuge des Projektes Tex2Mat soll für Baumwoll-PET-Mischgewebe ein Trennverfahren basierend auf einem enzymatischen Prozess entwickelt werden. Das beim Prozess gewonnene, reine PET (aus Handtüchern, Hotel- und Krankenhauswäsche) soll so aufbereitet werden, dass es wieder für den Spinnprozess und letztlich für den ursprünglichen Einsatzzweck verwendbar wird.

Das Projekt Tex2Mat wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG im Rahmen von COIN, Kooperation und Netzwerke, COIN Netzwerke 9. Ausschreibung gefördert. 

Konsortium: ecoplus.Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH, Montanuniversität Leoben Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung, HERKA GmbH, Technische Universität Wien Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften, DI Monika Renate Daucher, SALESIANER MIETTEX GmbH, Thermoplastkreislauf GmbH., Universität für Bodenkultur Wien Institut für Umweltbiotechnologie, Ing. Gerhard Fildan Gesellschaft m.b.H., Starlinger & Co Gesellschaft m.b.H.HUYCK.WANGNER Austria GmbH

 

Weitere Informationen im Zweijahresbericht 2017 - 2018 (S. 47)

Rec2TecPart ​-​ Funktionsbauteile aus polymeren Sekundärrohstoffen

Rec2TecPart

Sekundärrohstoffe im Kunststoffbereich kommen bislang kaum in hochwertigen Funktionsbauteilen zur Anwendung, da hier hohe Qualitätsansprüche herrschen. Das FFG COIN Projekt „Rec2TecPart“ will den Einsatz von Sekundärware auch in diesem komplexen Bereich für KMUs ermöglichen. Mit Hilfe eines neuen Wertschöpfungsprozesses soll dabei Neuware durch Qualitätsrezyklate, sogenanntes RecHQ, technisch und wirtschaftlich sinnvoll ersetzt werden. Das bedeutet hohe Ressourceneffizienz und geringere CO 2-Emissionen. Zu diesem Zweck wird aus Kunststoffabfall maßgeschneidertes Ausgangsmaterial für technisch anspruchsvolle Anwendungen hergestellt. Dies geschieht mit einem durchgehenden Prozess vom Sammelsystem über den Kunststoffrecycler bis zum Kunststoffverarbeiter.

Durch die Prozessumstellung kann eine Verringerung der CO 2-Emissionen um mindestens 25 % sowie eine wesentliche Kostenersparnis im Vergleich zum Einsatz von Neuware erreicht werden. Kunststoffabfall wird so Wertstoff und Werkstoff zugleich. Eine Anwendung des Rec2TecPart-Prozesses Richtung großindustrielles Upcycling, zum Beispiel in der Automobilindustrie, ist das nächste Ziel.

 

PolySlag - Hochofenschlacke als nachhaltiger funktioneller Füllstoff für Kunststoffe

PolySlag

Hochofen- und Stahlschlacken fallen bei der Stahlerzeugung zwangsweise an und werden normalerweise deponiert. Durch ihre einzigartige, auf Multiphasen beruhende Beschaffenheit könnten - eingemischt in Polymermatrizen - völlig neue Werkstoffe erzeugt werden.

Im laufenden FFG-BRIDGE Forschungsprojekt „PolySlag“ wird das Potenzial von Hochofenschlacke (blast furnace slag – BFS) als funktioneller Füllstoff für Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS) als nachhaltige Alternative zu mineralischen Füllstoffen untersucht. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die rheologischen Eigenschaften des neuen BFS-gefüllten Polymers waren vergleichbar mit dem ungefüllten Polymer, wodurch mit keinen Verarbeitungsschwierigkeiten zu rechnen ist. Bei den anwendungsbezogenen Eigenschaften wurde eine höhere Wärmeleitfähigkeit sowie größere Steifigkeit gegenüber dem Basispolymer erzielt. 

Partner: Polymer Competence Center Leoben GmbH (PCCL), voestalpine Stahl GmbH

Ökobilanzierung von r2PET (zweimal rezykliertes PET)

Ökobilanzierung von r2PET

In der Ökobilanzierung von r2PET sollte am Lehrstuhl für ­Kunststoffverarbeitung ermittelt werden, wieviel in Österreich im Jahr 2017 an CO 2 eq. eingespart werden können, wenn im Non-Food-Bereich anstelle von PET-Neuware, r2PET eingesetzt wird.

Unter Ökobilanzierung wird die systematische Analyse der Umweltwirkung von Produkten und Dienstleistungen entlang ihres gesamten Lebenszyklus verstanden. Zu dieser Analyse gehören sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten ­Prozesse. Außerdem werden hierzu alle relevanten Entnahmen aus der Umwelt (z. B. Erze, Rohöl) sowie die Emissionen in die Umwelt (z. B. Abfälle, Kohlenstoffdioxidemissionen) gerechnet.

Die Forschungsarbeit des Lehrstuhls für Kunststoffverarbeitung fokussiert dabei auf zweimal rezykliertes PET von der Firma TPKL GmbH, hergestellt nach dem internen ­r2PET-Prozess. Die funktionelle Einheit ist 1 t r2PET, die mit 1 t PET-Granulat-Neuware (PET NW) verglichen wurde.